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4 Seiten einer Nachricht – Beispiele

  • by Anatoli Bauer

Kommunikation funktioniert auf mehr als nur eine Weise. Durch Missverständnisse, Unklarheiten und Probleme in der Kommunikation sollte das eigentlich jedem bewusst sein. Das sogenannte Vier-Ohren-Modell zeigt sehr deutlich auf, woher solche Missverständnisse kommen können.

Aber was ist das Vier-Ohren-Modell?

Es handelt sich dabei um ein Kommunikationsmodell, das von dem Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun entwickelt wurde. Dabei wird davon ausgegangen, dass jede Nachricht auf Basis von vier Ebenen übermittelt wird. Dabei handelt es sich um die Sachebene, die Selbstoffenbarung, die Beziehung und einen Appell. Es ist auch als Nachrichtenquadrat, Vier-Seiten-Modell oder Kommunikationsquadrat bekannt.
Schulz von Thun geht davon aus, dass gestörte Kommunikationsprozesse einem unterschiedlichen Verständnis der einzelnen Ebenen zugrunde liegt.

Dementsprechend sehen Sender und Empfänger eine Nachricht auf unterschiedlichen Ebenen. Probleme entstehen, wenn der Sender versucht etwas auf der Sachebene zu kommunizieren und der Empfänger es auf die Beziehungsebene projiziert. Dementsprechend hilft das Vier-Ohren-Modell, bei Konflikten. Sollte ein Konflikt vorliegen, kann es sehr viel bringen, die Probleme zuerst in der kommunikativen Beziehung zu suchen.

Die vier Seiten einer Nachricht

Bevor sich mit der Verteilung der Ebenen beschäftigt werden kann, sollte ein Verständnis für die vier Ebenen der Kommunikation geschaffen werden. Kurz und prägnant lässt sich sagen, dass die Sachebene damit beschäftigt, was gesagt werden will. Die Selbstoffenbarung definiert, was der Sender dem Empfänger von sich erzählen möchte. Auf der Beziehungsebene wird dargestellt, wie der Sender den Empfänger einschätzt und zu dem Empfänger steht. Mit der Appellebene wird dargestellt, was der Sender von dem Empfänger möchte.

Allerdings lassen sich auch alle Ebenen etwas ausführlicher beleuchten. Die Sachebene kann auch als Sachinhalt oder Sachinformation beschrieben werden. Dabei steht die sachliche Information im Mittelpunkt. Ein Sender möchte Sachverhalte eindeutig darlegen. Ein Empfänger ordnet die Information ein und beurteilt sie nach bestimmten Kriterien. Dazu gehören die Frage nach wahr oder unwahr, die Einschätzung, ob die Information relevant oder irrelevant ist und eine Beurteilung, ob die Information ausreichend oder unzureichend war. Hierbei wird nur die Information kommuniziert, etwa Fakten, Zahlen oder genaue Daten. Es gibt nur wenig Interpretationsspielraum. Durch eine präzise Ausdrucksweise wird die Gefahr von Missverständnissen minimiert.

Die Ebene der Selbstoffenbarung ist auch als Selbstkundgabe bekannt. Es wird dabei davon ausgegangen, dass in der Nachricht etwas offenbart wird. In einer Nachricht wird etwas von dem Sender selbst offenbart. Das kann gewollt, aber auch ungewollt, passieren. Der Empfänger kann den Sender infolge der Selbstoffenbarung interpretieren. Besonders auffällig wird das durch offensichtliche und versteckte Selbstoffenbarung.

Auf der Beziehungsebene werden sämtliche Informationen betrachtet, die auf die Beziehung zwischen Sender und Empfänger eingehen. Dabei geht es besonders um Andeutungen, Gesten, Mimik oder auch bestimmte Formulierungen. Der Empfänger muss die Nachricht im Kontext der Beziehung zum Sender setzen. Dadurch wird deutlich, wie Sender und Empfänger zueinander stehen.

Zuletzt sollte die Appellebene betrachtet werden. Hier möchte ein Sender den Empfänger beeinflussen. Das geht beispielsweise durch die Äußerung von Wünschen, Ratschlägen oder auch Handlungsempfehlungen. Ein Appell muss nicht immer offen formuliert werden. Dadurch muss sich der Empfänger die Frage stellen, ob eine Reaktion gewünscht ist oder nicht. Dadurch lässt der Appell am meisten Interpretationsspielraum und es nicht deutlich, ob der Sender eine Intention verfolgt oder nicht.

Ein Satz – vier Nachrichten?

Alle Seiten des Vier-Ohren-Modells kommen in der Kommunikation vor. Allerdings ist ihre Gewichtung unterschiedlich. Dadurch entstehen unterschiedlich auslegbare Nachrichten, die potenziell Konflikte fördern können. Bildlich lässt sich dieser Ansatz darstellen, indem der Sender mit vier Schnäbeln dargestellt wird und der Empfänger mit vier Ohren. So wird deutlich, dass es zu einer Misskommunikation kommen kann.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Der Satz „Da ist etwas Grünes in der Suppe“ lässt sich unterschiedlich auslegen. Auf der Sachebene entsteht die Nachricht: „Da ist etwas Grünes!“ Ein Sachverhalt wird deutlich. Eine Selbstoffenbarung dagegen wäre „Das schmeckt mir nicht!“ Wer die Nachricht auf der Beziehungsebene verstehen will, hört vielleicht folgendes: „Du kannst nicht gut kochen.“ Auf der Appellebene heißt es dagegen. „Bitte koche nur noch, was ich kenne.“
An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, wie unterschiedlich die verschiedenen Ebenen bei der gleichen Nachricht sein können.

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 17. Mai 2022 von Anatoli Bauer

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