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Moral & Ethik – was ist der Unterschied?

  • by Anatoli Bauer

Ethik fördert das folgerichtige Denken und Verantworten

Ethik formuliert universelle Regeln und Prinzipien, die grundsätzlich Gültigkeit für alle Menschen besitzen und Sicherheit und Orientierung geben. Das Wissen darum, wie sich ein Individuum gut bzw. ethisch korrekt verhält, steht im Mittelpunkt der Ethik. Derartige Regeln und Empfehlungen fungieren demnach als Wegweiser und ermöglichen ein objektives Urteil darüber, was gut, richtig, falsch und schlecht ist. Parallel dazu sensibilisieren die ethischen Regeln anlassgerecht für etwaige Konsequenzen, wenn sich eine Einzelperson ethisch nicht korrekt bzw. ethisch unangemessen verhält und schärft das Bewusstsein dafür, welche Folgen permanent mit dem individuellen Handeln einhergehen.

Gelebte ethische Korrektheit in sämtlichen Lebensbereichen dient deshalb als erstrebenswertes Idealbild, dem es konsequent nachzueifern gilt. Wer anhaltend gut bzw. ethisch korrekt agieren möchte, ist sich fortwährend bewusst, was passiert, sofern gutes oder schlechtes Handeln die Taten regieren. Zudem beleuchtet die Ethik die Themenfelder kollektives Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft, Grenzen, Wissenschaft, Medizin und Gesetz. Die Ethik hinterfragt demzufolge wo konkret die ethischen Grenzen von Forschungen in den Bereichen Wissenschaft und Medizin zu ziehen sind. Sie stellt die Frage, was Mediziner tun dürfen und wo etwaige Grenzen zu verorten sind bzw. was als ethisch unzulässig zu klassifizieren ist und inwieweit es tatsächlich eine eventuelle Modifikation bestehender Gesetze oder die Formulierung neuer Gesetzespassagen braucht.

Lebenswissenschaft Ethik nährt den Diskurs und regt zum Nachdenken und folgerichtigem Hinterfragen der individuellen Handlungen an…

Werte wie Fairness, Verantwortung, Respekt, Gerechtigkeit, Integrität und Unrechtsbewusstsein bilden die Eckpfeiler, die ethische Prinzipien nachhaltig prägen. Wer im Alltag dauerhaft ethisch korrekt handeln möchte, orientiert sein Tun deshalb im Idealfall an exakt den Regeln und Prinzipien, die die Ethik, in ihrer Funktion als Lebenswissenschaft, geschaffen hat.

Exemplarisches Beispiel für konsequentes ethisch korrektes Handeln ist etwa nachhaltiger Konsum, der sich an nachhaltigen, sozialen und ökologischen Aspekten orientiert. Im Sinne ethischer Prinzipien greift in diesem Kontext das Mantra; “ Einkäufe verbessern, wo es nur geht“. Fashionaffine Personen, die ethisch vertretbar ihrer Leidenschaft für Mode nachgehen möchten, sollten ihren Fashion- Konsum prinzipiell reduzieren und dafür höherwertiger im Sinne der Slow Fashion- Industrie konsumieren. Als diesbezüglicher Goldstandard bzw. als Inbegriff für ethisch korrekte Mode gilt solche, die aus nachhaltigen Materialen gefertigt, einen kleinen ökologischen Fußabdruck besitzt, die Lieferkette transparent offenlegt und für deren Fertigung die Mitarbeiter in den einzelnen Produktionsstätten eine faire Entlohnung für ihre jeweilige Arbeit erhalten.

Ethisch korrektes Einkaufen im Supermarkt, ist an die Begriffe bio- zertifiziert, Regionalität und Fairtrade gekoppelt. Lebensmittel im Sinne vertretbarer ethischer Prinzipen zu kaufen, verlangt ebenso wie im Bereich Mode nach bewusstem Konsum. Grundsätzlich gilt; nicht zu viel einkaufen und bevorzugt regional konsumieren. Im Bereich von Reinigungs- und Waschmitteln geben aussagekräftige Siegel wie “ Blauer Engel“ oder “ Ecocert“ Orientierung, um ausschließlich Produkte zu erwerben, die bestmöglich mit ethischen Prinzipien übereinstimmen.

Moral informiert über das, was kollektiv anerkannt ist

Demgegenüber definiert die Moral Werte, Sitten sowie Normen, die in einer Gesellschaft kollektiv anerkannt sind und fungiert als Nährboden für allgemeingültige Moralvorstellungen, die Aufschluss geben, wie sich eine Einzelperson im Idealfall zu verhalten hat.

Individualität beeinflusst zudem die persönlichen Moralvorstellungen einer Einzelperson und übt einen nachhaltigen Einfluss auf die persönliche Lebenswirklichkeit aus. Während die Ethik folgerichtig Ideale benennt und an das Individuum appelliert sein Leben im Sinne moralisch anerkannter Normen und Werte auszurichten, präsentiert sich die Moral als abstrakte Konvention eines Kollektivs, die als Spiegel der Zeit zu klassifizieren und prinzipiell von individuellen Vorstellungen geprägt ist. Anders als ethische Prinzipien stützt sich die Moral deshalb häufig auf die individuellen Vorstellungen und Leitsätze einer Einzelperson. Moralvorstellungen sind daher wandelbar und unterliegen im situativen Kontext häufig Diskrepanzen.

Das Christentum, das sich auf die Einhaltung der zehn Gebote stützt, nährt christliche Moralvorstellungen, die als Basis für ein moralisches Handeln zu verstehen sind und Gläubigen Orientierung geben.

Moralvorstellungen sind individuell geprägt

Übertragen auf die Einzelperson stellt die Moral folgerichtig die Frage danach, inwiefern ethische Thesen und Prinzipien in die persönliche Lebenswirklichkeit zu integrieren sind, sodass Moralvorstellungen mitunter voneinander abweichen und sich diesbezüglich markante Diskrepanzen zwischen einzelnen Individuellen zeigen. Ethische Prinzipien dienen als maßgeblicher Kompass für individuelle Moralvorstellungen.

Prinzipiell entscheidet der Einzelne, inwiefern die individuellen Moralvorstellungen es im situativen Kontext erlauben ethisch korrekt oder ethisch unzulässig zu handeln. Exemplarisches Beispiel hierfür ist etwa eine Person, die sich bewusst ist, dass Stehlen als objektiv moralisch verwerflich einzustufen ist und sich in der Praxis nicht mit ethischen Prinzipien deckt. Beeinflusst von der individuellen Sozialisation und subjektiven Denkmustern können Betroffene es, obgleich sie ein Bewusstsein für kollektive moralische Werte und Normen besitzen, es deshalb mit ihrer Moralvorstellung vereinbaren, zu stehlen und sich den moralischen Sitten und ethischen Prinzipien auf diese Weise bewusst zu widersetzen.

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