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Als Mann in Frauenkleidung unterwegs – darf man das?

Als Mann in Frauenkleidung unterwegs

Immer noch zeigen sich viele Menschen empört oder belustigt, wenn sie einem Mann in Frauenkleidung begegnen. Die Reaktionen reichen von offenem Anstarren bis hin zu direkten Anfeindungen und Gewaltanwendung. Ganz gleich jedoch, welche Meinung die Beteiligten vertreten, Neutralität ist nicht zu erwarten. Frauen in Anzügen, Boyfriend-Jeans oder Arbeiterhosen werden jedoch unbeeindruckt akzeptiert. Wie kommt das?

Gesamtgesellschaftliche Vorurteile

„Crossdressing“ erfüllte, historisch gesehen, im Laufe der Zeit unterschiedliche Funktionen. In Kriegen oder ähnlichen Ausnahmesituationen gewährte die männliche Verkleidung Frauen Schutz vor männlichen Übergriffen. Andernorts nutzten Frauen die Möglichkeit, durch ihre Kleidung Positionen zu erreichen, die Männern vorbehalten waren.

Solche Geschichten sind uns bekannt und wir haben Sie verinnerlicht. Frauen in Männerkleidung stehen symbolisch für das Ende von Unterdrückung und Patriarchat. Gegenbeispiele sind selten derart positiv belegt. Präsent sind den meisten Menschen in diesem Zusammenhang nur Shows, die mit dem Klischee der Travestie spielen. Pompöse Verkleidungen, weit entfernt von Alltagskleidung.

Trotz weitreichender Aufklärungskampagnen hält ein Großteil der Bevölkerung nach wie vor an der Zuschreibung „typisch männlicher“ und „typisch weiblicher“ Kriterien fest.

Kleidung kommuniziert

Letztendlich übertragen wir diese Attribute auf geschlechtsspezifische Kleidungsstücke und so ist es möglich, sich diese Zuschreibungen zu Nutze zu machen. Hochhackige Schuhe unterstreichen Eleganz, grobe Jeans sprechen für eine unkomplizierte Lebenseinstellung, sanfte, weiche Stoffe versprechen sanfte Charakterzüge und mit schweren Boots ist nicht zu spaßen. Unterm Strich tragen all diese Kleidungsstücke Aussagen in die Welt, die mit eingeschliffenen Vorstellungen, wie ein Mann/eine Frau seien sollte kollidieren können.

Das Spiel mit diesen Zuschreibungen, ob es nun bewusst oder unbewusst geschieht, empfinden manche Menschen sogar als offene Provokation. Ihnen fehlt womöglich die Offenheit, Tabus zu hinterfragen und überholte Ansichten für sich selbst zu relativieren.

Rechtslage

Dabei besteht das Problem nur in den Köpfen intoleranter Beobachter. Rein rechtlich ist es jedem selbst überlassen, welche Art von Kleidung er trägt, solange sie nicht in irgendeiner Form beleidigende oder volksverhetzende Aussagen unterstreicht oder gegen Sicherheitsvorkehrungen verstößt. Es gilt das Persönlichkeitsrecht und ein Diskriminierungsverbot.

Der Einwand, es wäre frauenverachtend als Mann Frauenkleidung zu tragen, ist nicht haltbar, solange in diesem Zusammenhang keine entsprechenden Aussagen getroffen werden. Mit strafrechtlichen Folgen muss hingegen derjenige rechnen, der den Kleidungsstil eines anderen öffentlich anprangert.

Symbolwert

Es handelt sich ebenfalls um ein Vorurteil, generell anzunehmen, Männer in Frauenkleidung seien generell homosexuell, transsexuell oder Drag Queens und sähen sich immer vorzugsweise als Frau. Zum einen, würde sich wohl auch nicht jede Frau im Flanellhemd sofort als Mann fühlen und zum anderen sind das Gefühl für das eigene Geschlecht und die Verteilung unterschiedlicher Charaktereigenschaften und Vorlieben zwei verschiedene Paar Schuhe.

Männer, die eine Vorliebe für weiche Pullover, Röcke, Kleider oder taillierte Blusen entwickeln, fühlen sich womöglich schlicht wohl in diesen Kleidungsstücken. Vielleicht, weil sie warm oder luftig sind, ein gutes Gefühl auf der Haut hinterlassen oder schlicht sehr gut mit ihrer Körperform harmonieren. Ein Mann, der gern verspielte Blusen oder hochhackige Schuhe trägt, kann sich dennoch stark und sehr wohl in seiner Rolle als Mann fühlen.

Was spricht dafür?

Männer, die sich zu ihren Vorlieben bekennen, unterstützen Ideen von Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Toleranz. Kleidung nach der eigenen individuellen Persönlichkeit zu wählen, erweitert die persönliche Freiheit und die stilistischen Ausdrucksformen. Die freie Kleiderwahl untergräbt geschlechtstypische Klischees und hebt die praktischen und funktionellen Aspekte der gewählten Garderobe hervor.

Was spricht dagegen?

Klischees existieren jedoch und so kann es in bestimmten Situationen sinnvoll sein, die eigene Kleidung zu hinterfragen und eventuell Prioritäten zu setzen. Im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs, bei der Beantragung eines Kredites oder auf sonstigen Veranstaltungen mit konservativem Dress Code, ist es nicht verboten als Mann Frauenkleidung zu tragen, es kann einem jedoch zum Nachteil gereichen.

In offensichtlich homophoben Kreisen kann ein Mann schon dafür angegriffen werden, dass er einen Rock trägt. Hier kann es der körperlichen Sicherheit zu liebe nicht schaden, die Kleidung den Gegebenheiten anzupassen- es sei denn man möchte gezielt und jedem Risiko zum Trotz ein Zeichen setzen.

Selbstbestimmte Entscheidungen treffen

Letztendlich bleibt es jedoch dabei-Kleidung ist in Deutschland Privatsache und sollte in einem offenen Umfeld in jedem Fall auf Toleranz stoßen. Achten Sie aber darauf, dass dieser Grundsatz längst nicht in allen Ländern gilt und informieren Sie sich gegebenenfalls vor Auslandsreisen zu den geltenden Bestimmungen.

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